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Der Süchtige wird in der Sucht...

15.02.2018 von Conny | Kategorien: Klartext

....niemals finden was er sucht! 
(© Helga Schäferling (*1957), deutsche Sozialpädagogin)

Meinen heutigen Artikel widme ich allen Menschen die in ihrem engsten Umfeld mit Suchtproblemen zu kämpfen haben oder hatten. Sei es "nur" der Alkohol oder Drogen. Ich schreibe für all diejenigen die jahrelang in diesem Wahnsinn hängen, den wir Angehörigen mitmachen, wenn wir gnadenlos versuchen unsere Liebsten von der Sucht zu befreien. Für alle Eltern, Geschwister, Töchter, Söhne und Partner oder beste Freunde!

Oftmals reden wir nicht darüber, weil es eh kaum einer versteht der da nicht im Thema ist. Da heißt es immer: Einfach aufhören und gut! Pfff.. Wenn ich dann mal gesagt habe, hört doch erstmal selbst auf zu rauchen zum Beispiel, kam dann das wäre was anderes! Nein, ist es nicht! Sucht ist Sucht! Und auch rauchen kann einen umbringen.

Ich schreibe für die, die den Kampf verloren haben, wie ich. Und fast daran zu Grunde gehen. Und sich den Rest ihres Lebens die Frage stellen: Hab ich genug getan? Hätte, wenn und Aber! Sich mit Vorwürfen quälen und die Bilder nicht aus dem Kopf bekommen. All die jenigen die furchtbar wütend sind auf den Süchtigen, weil er sein Leben weg wirft! Und uns direkt mit. Für alle die nach jeder Entgiftung oder einem Entzug  immer die Hoffnung haben, jetzt wird alles gut. Und mal wieder eines besseren belehrt werden. Und alles geht von vorne los. Endlosschleife... Ich werde nichts beschönigen, denn es gibt nichts Schönes daran. Aber ich kann aus Erfahrung sagen dass man sich den Schuh ausziehen kann, der einem eh nicht passt. Das ist nicht einfach, aber es geht. Dazu muss man einiges wissen was die Süchtigen betrifft. Ich habe mich lange mit dem Thema auseinander setzen müssen. Mit Alkohol, Gras, Heroin, Extasy, Kokain, Methadon und auch Pilzen und was es noch für einen ganzen Rotz gibt!
Ich schreibe als Angehörige und auch "nur" aus dieser Sicht kann ich berichten was es für uns heißt zuzugucken wie sich jemand Selbstmord auf Raten zufügt. Über die Machtlosigkeit und an seine Grenzen zu stoßen. In meinem Fall bis zum bitteren Ende. Dem Tod! Laut Statistik ein Drogensüchtiger weniger. Laut meinem Verstand und Herzen, einer zu viel!
Alkoholiker habe ich ebenfalls zur Genüge erlebt. Ja, und oftmals beides kombiniert. Drogen und Alkohol.  Niemals würde ich ein böses Wort über solche Menschen verlieren. Oder sagen selbst schuld. Natürlich ist jeder seines Glückes Schmied, aber  jeder hat seine eigene Geschichte und Gründe. Manche lassen sich helfen und schaffen es und ich freu mich über jeden einzelnen. Andere nicht, da ist die Sucht stärker. Und ohne es zu wollen sind Suchtkranke oftmals gnadenlose Egoisten und ganz hervorragende Lügner. Aber nicht weil sie uns schaden möchten. Sie können einfach nicht anders. Außerdem machen wir oftmals den Fehler und versuchen darüber nachzudenken was in deren Köpfen vorgeht. Aber sie denken nicht wie wir. Fragt man einen Alkoholiker der noch einigermaßen vernünftig agiert wie viel er getrunken hat, sind es immer nur 2 bis 3 Flaschen Bier zum Beispiel. Je nach Drogen ähnlich.  Ich habe schon in Augen geschaut die sowas von dicht waren und die Aussage kam man könne sich das auch nicht erklären, bestimmt zu wenig gegessen. Auf Koks kam dann die Aussage zu viel geschlafen und einfach nicht müde. Ich könnte ein ganzes Buch schreiben über Ausreden und Erklärungen bei Suchtkranken. Damals bin ich oft ausgerastet, man wird ja offensichtlich für blöd verkauft. Damals ist noch nicht so lange her, aber heute mit etwas Abstand sehe ich vieles anders. Ich weiß dass ich wirklich alles getan habe um zu helfen. Ich habe mich zum Sklaven gemacht, zum Portmonee, zum Mülleimer, zur Putzfrau, zur Krankenschwester, zum Idioten. Aber ich wusste es nicht besser. Damals habe ich noch immer gedacht alles wird gut. Ich habe den Tatsachen nicht ins Auge sehen wollen und mir alles besser geredet als es war. Ich wollte die Realität nicht wahr haben. Erst als ich da im Krankenhaus gehockt habe und unterschreiben musste das die Behandlung eingestellt wird! In dem Moment muss man über das Leben eines geliebten Menschen entscheiden. Man stellt sich solche Fragen wie: sieht der Arzt den Menschen oder nur einen Junkie? Wie kann jemand Hirntod sein der deine Hand drückt beim Halten? Was passiert wenn ich das nicht mache weil ich nicht los lassen will? Kann sie mich hören? Habe ich genug getan? Würde sie das wollen? Kann ich mit dieser Entscheidung leben? Warum hat sie nicht auf mich gehört? Will sie den Rest ihres Lebens hier an der Maschine hängen? Bzw. die Hülle? Ist da wirklich nichts mehr? Warum muss ich das entscheiden? Ich will das alles nicht! Bin doch nicht der liebe Gott. Komischerweise hatte ich in dem Moment genau diese Antwort im Kopf: das ist das letzte was du tun kannst für jemanden, in Würde sterben zu lassen. Ich teilte dem Arzt meine Entscheidung mit und die lebenserhaltenden Maßnahmen wurden nach und nach runter gefahren. Ich muss glaube ich nicht erwähnen wie sich das anfühlt. Auch jetzt wo ich diese Zeilen schreibe durchlebe ich das alles zum ersten Mal seit langem wieder und ich weiß wie vielen es von euch so geht oder ging. Ob Drogen, Alkohol, Tabletten oder was auch immer.
Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Aber vermutlich auch die Richtige. Wir werden da in eine Situation hinein katapultiert ohne es zu wollen.
Aber im Prinzip bin ich dankbar, denn sehr viele bekommen nur einen Anruf und haben keine Möglichkeit den Menschen nochmal lebend zu sehen. Auch das habe ich schon erlebt. Was ist besser? Ich weiß es nicht, nur das sich beides gleich Scheisse anfühlt. Und die Fragen sind auch nicht viel anders. Hätte, wenn und Aber. In dem Moment siegt natürlich die Trauer über die Wut, die man empfindet in den schlimmsten Zeiten. Und bin ich ganz ehrlich, so ist es doch ganz simpel: Für einen Süchtigen sind wir Mittel zum Zweck. Wir dürfen ihn versorgen und unterstützen aber haben nicht das Recht  ihnen den Kopf zu waschen. Dann ist man unfair und unbequem und es ist doch alles nicht so wie man es empfindet. Außer in den klaren Momenten, da haben wir vollkommen Recht und alles muss und wird sich ändern. Und zack keimt die Hoffnung auf das es diesmal klappt. Unterhält man sich mit Fachleuten haben diese nur ein müdes Lächeln dafür übrig. Sie wissen genau wie ein Süchtiger funktioniert und der wiederum weiß welche Knöpfe man bei uns drücken muss. Hat funktioniert. Aber nochmal, sie machen sich in keinster Weise Gedanken darüber wie es uns dabei geht. Wären sie dazu in der Lage würden sie bei sich anfangen. Jemand der wirklich nicht mehr will! der bleibt Trocken oder Clean und stellt sich dem Kampf der ihn sein Leben lang begleiten wird! Der steht dazu und versucht jede Situation zu verhindern wo er wieder in die Abhängigkeit rutschen könnte. Aber es gibt leider noch die andere Variante: er macht es nur für die Anderen. Kreislauf: Sucht, Entgiftung, Sucht, Klinik, Sucht, Klinik, Entgiftung usw.
Die Abstände werden kürzer und der Körper versagt immer mehr bis auch er aufgibt. Ich habe mir immer diese Frage nach dem Warum gestellt. Nie verstanden. Heute kenne ich die Gründe bei jedem einzelnen den ich daran verloren habe.  Und heute weiß ich auch dass alles nichts gebracht hätte was ich tat. Es war einfach ihr Leben und sie wollten es nicht anders. Sie hätten alle eine Wahl und Unterstützung gehabt. Sie haben es aber nicht angenommen. Es war ihre Welt in diesem Kreislauf. Nicht unsere. Es war ihr Problem das sie so gelebt haben, nicht unseres. Das hört sich hart an aber es ist so. Was bleibt ist das schlechte Gewissen bei uns, das ist unser Problem. Aber warum eigentlich wenn man alles getan hat? Gute Frage, wo ich auch keine Antwort drauf habe. Ist es das Gefühl gescheitert zu sein? Den Ausweg nicht gefunden zu haben? Vermutlich.
Es kann aber auch passieren dass es jemand schafft aber kaum weg davon, kommt eine tödliche Krankheit.  Die kann der Körper aber nicht bekämpfen weil die Sucht alles zerstört hat was nötig wäre; eine starke Abwehr.
Auch da ist man Machtlos und fragt sich wiederum was besser gewesen wäre. Todgesoffen, aber nicht mehr viel mitbekommen oder der bewusste Kampf bis zum Tod? Mit klarem Kopf und höllischen Schmerzen daran zu denken wie viel Leben man verschenkt hat. Stell ich mir schlimmer vor. Aber auch das weiß ich nicht, manchmal wäre es für den Betroffenen einfacher glaube ich. Wir Angehörigen haben ja eh die Arschkarte, so oder so.

Ich schreibe aber auch für die Menschen die Suchtkrank sind. Es wissen, aber irgendwie nicht daraus finden. Da gibt es auch kein Patentrezept für, denn jeder trinkt z.B. aus einem anderen Grund. Und glaubt mir: Keiner weil er es toll findet! Keiner findet es schön diesen Zustand zu haben. Immer weiter abzurutschen. Wenn auch vielleicht nur emotional erstmal.  Aber wenn man nüchtern ist oder klar im Kopf kann man das kaum ertragen und vielleicht kommt noch das Schamgefühl hinzu und die Erinnerungen, dann betäubt man lieber die Sinne. So ist es doch einfacher zu ertragen. Und das passiert nicht nur schwachen Menschen. Vermeintlich starke Menschen haben damit genauso zu kämpfen. Knallhart gesagt ist doch jeder der regelmäßig trinkt um besoffen zu sein ein Alkoholiker. Gründe gibt es immer. Dennoch möchte ich da unterscheiden. Jeden Tag eine Flasche Bier? Ist im Prinzip sogar gesund, sagt man. Ein Glas Wein auch. Also sage ich mal Alkohol zwar regelmäßig aber in geringer Menge macht noch keinen Alkoholiker für mich. Erst dann wenn
der Körper danach schreit. Mit depressiver Stimmung oder auch mit heftigsten Schmerzen, zittern etc. Fangen wir mit dem Alkohol an, bei dem man zum Beispiel immer einen gewissen "Pegel" braucht.
Manchmal auch nur um "vernünftig" seiner Arbeit nach zu gehen. Das geht wirklich eine Zeit lang. Ich kenne Menschen die trinken viele Jahre um zu funktionieren. In der Freizeit dann auch mal bis zum abwinken. Das meine ich nicht abwertend. Ich kenne beide Zustände bei einem Alkoholkranken. Den ganz nüchternen und klaren, der für die meisten kaum auszuhalten ist und den komatösen Zustand, wo nix mehr funktioniert, nicht mal die Blase. Muss man so knallhart sagen.
Am Anfang schrieb ich ganz bewusst "nur" Alkohol, weil er völlig verharmlost wird von unserer Umwelt, den Medien oder der Industrie! Überall zu kaufen.
Ich trinke auch ab und zu ganz gerne. Auch mal über den Durst wie man so schön sagt. Das war es aber auch schon. Im Prinzip hat mich Alkohol eigentlich immer eher abgeschreckt. Drogen auch. Heute bin ich sehr dankbar dafür auch wenn ich mir früher oft anhören musste ich wäre eine Spaßbremse wenn ich nicht mit gesoffen habe. Mal ganz davon abgesehen brauchte ich nur einen Schnaps sehen da war ich schon voll.
Wenn ich nicht mit geschnüffelt habe. Patex schnüffeln war zu meiner Zeit völlig normal für einige. Für mich völlig verklatscht! Ich habe keinen Sinn darin gesehen mir Kleberdämpfe ins Hirn zu schießen um danach wie ein gepopptes Huhn zu gucken und auch so auszusehen. Ich war zum Glück so stark Nein zu sagen. Beim Kiffen ähnlich. Kiffen macht nicht abhängig? BULLSHIT!!! Vielleicht nicht körperlich wie andere Drogen, aber emotional. Kiffen ist eine Einstiegsdroge und jeder der kifft greift leichter zu anderen Sachen. Ich meine hier nicht die Leute die sich ab und zu mal ein Tütchen ziehen um sich runter zu fahren...Das sind einige in meinem weitläufigen Bekanntenkreis.
Sondern die jenigen, die jeden Tag kiffen müssen! weil sie sonst nicht klar kommen. Aggro sind oder einfach nicht funktionieren. Deren Leben an ihnen vorbei zieht. Und auch hier vielleicht erstmal emotional.
Kokain...nur was für die Reichen.  Ha! Meistens, aber nicht immer. In bestimmten Kreisen ist das normal dass die Leute sich "ne Nase ziehen" wie man das so schön sagt. Die Veränderung innerhalb von Sekunden ist erstaunlich. Als Außenstehender manchmal kaum zu ertragen. Keine Hemmschwelle und auf "Dauer180"... da mutiert so mancher von Dr. Jekyl zu Mr. Hyde. Und das für ne Menge Kohle. Manager, Ärzte, Anwälte oder einfach nur die gelangweilte reiche Hausfrau und so weiter und so fort, Koksabhängige ziehen sich durch alle! Gesellschaftsschichten. Die aber wiederum haben oftmals andere Möglichkeiten schneller in Kliniken oder Therapien aufgenommen zu werden. Auch so ein Problem, einen Platz zu bekommen. Zu viele Jahre Methadon zu nehmen. Ist zum Teil eine genauso beschissene Droge wenn der Arzt nicht ganz dicht ist oder den Junkie nur als solches sieht. Nicht falsch verstehen, Methadon ist ne gute Sache um ins Leben zurück zu finden. Oder in der Krebstherapie. Genau wie Cannabis. Ebenfalls. Aber nur wenn es richtig verabreicht wird.
Fazit: Wir können vieles nicht ändern, wir können die Süchtigen nicht einsperren, wir können labern und labern, solange es bei ihnen nicht selbst Klick macht sind wir machtlos! Wir können sie nur bis zu einem bestimmten Punkt begleiten. Was wir aber können ist genau denen zu helfen die sich helfen lassen und es annehmen. Wir können aufklären indem wir darüber reden und nix verheimlichen. Wir dürfen die Süchtigen auch mal anschreien oder ausrasten wenn uns danach ist. Ob es ihnen hilft? Vermutlich nicht, aber uns. Wir haben das Recht uns zurück zu ziehen wenn es unerträglich wird. Wir sind nicht für andere verantwortlich! Wir haben auch ein Leben das gelebt werden will. Wir können nur daraus lernen und Nein sagen wenn wir das alles nicht ertragen wollen. Mit reinem Gewissen. Auch wenn wir dann als Egoistisch hin gestellt werden. Ein gesunder Egoismus schützt uns aber davor ausgenutzt und ausgebeutet zu werden! Auch von den engsten Angehörigen.  So weh es auch tut, manchmal muss man Menschen fallen lassen damit sie aufwachen. Wenn nicht, können wir nichts tun. Leider....